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Asseln - Sein werden und Wandeln

 

Die Entwicklung der Kirche in Asseln

Wenn wir von der „Kirche“ in Asseln sprechen, so kann dieser Begriff nicht nur das eigentliche Kirchengebäude umfassen, sondern er muss weiter gegriffen werden. Die Entwicklung in den Orten war sehr stark geprägt vom Katholischen Glauben und dem Einfluss des Klerus auf die Menschen. Besonders darf man nicht vergessen, dass die Bischöfe bis zur Säkularisation 1802 nicht nur geistige Führer, sondern auch weltliche Herrscher über das Hochstift Paderborn und damit auch Asseln waren.

Vor der kirchlichen Neuordnung Anfang des 19. Jahrhunderts war das Hochstift Paderborn in Archidiakonate eingeteilt. Ein Archidiakonat hatte den Umfang eines Dekanates. Der Archidiakon oder auch Erzdiakon war in seinem Amtsbezirk der Vertreter des Fürstbischofes, später wurde diese Würde ein Ehrentitel. Die Pfarrei Lichtenau mit dem zunächst angegliederten Dorf Asseln war Teil des Archidiakonates des Propstes im Bußdorf in Paderborn.

Die kleine Ortschaft Asseln gehörte von 1021 an zu der heute nicht mehr existierenden Pfarrei Kerkdorp, nord-östlich von Lichtenau, deren Patron der heilige Kilian war. Kerkdorp war zunächst die einzige Pfarrei im ganzen Gau Soratfeld. Als die Pfarrechte von Kerkdorp auf Lichtenau übergingen, wurde auch Asseln eingegliedert. Von jetzt an mussten die Asselner, wie auch andere Bewohner des Soratfeldes, bei Wind und Wetter nach Lichtenau zu den Messen pilgern. Das dieses große Schwierigkeiten aufwarf, war klar. Der Kirchgang war lang und besonders im Winter beschwerlich. Daher bemühten sich die Asselner schon lange vor dem 30-Jährigen Krieg um eine eigene Kirche. Man sagt sich: „Wenn wir schon eine Kirche haben, kriegen wir auch ein Pfarrer“. Im Ort wurde gesammelt, und als das Geld dann beinahe vollständig zusammen war, begann man 1614 mit dem Bau einer Kirche. Jeder half so gut er konnte, sei es mit Geld oder durch Arbeitsleistung. 1616 konnte die Gemeinde Asseln mit Stolz zu ihrer ersten eigenen Kirche aufsehen, die auf einer Anhöhe, den Ort überragend, erstellt war. Noch im selben Jahr wurde ein Vikar als erster Seelsorger geschickt.

Wie die Asselner und die Kirche den 30-jährigen Krieg (1618-1648) überstanden haben, nun, dass wissen wir nicht genau. Fürstbischof Dietrich Adolf von der Reck unternahm in den Jahren 1654-1656 eine Generalvisitation aller seiner Pfarren und Klöster. Bemerkenswert ist dass er diese persönlich vornahm, insgesamt waren 91 Pfarreien bzw. Klöster nach einem festgelegten Katalog zu besichtigen. Es ist überliefert dass der Bischof tlw. schon ab 5.00 Uhr morgens zu Fuß zu den Orten unterwegs war, zumal aufgrund der Witterung und der Erntezeit die Visitationen auf die Monate Juni, Juli und September/Oktober beschränkt waren. In Asseln befand sich der Bischof dann als 22. Station am 13.07.1654 um 14.00 Uhr, vorher war er in Kleinenberg, und zwar um 8.00 Uhr, nach Asseln war für 16.00 Uhr noch Iggenhausen angesetzt. Aufgrund dieses kurzen Intervalles können wir davon ausgehen dass die im selbstständig werden befindliche Kirchengemeinde Asseln mit ihrer Kirche noch in den Anfängen stand.

Allerdings wurde dann 1660 die Vikarie Asseln von der Pfarrei Lichtenau getrennt und selbst zur Pfarrei erhoben, erster Pfarrer war der Neupriester Konrad Bödeker. Lichtenau bekam von Asseln für die Trennung 5 ha Land im „Schmillenkamp“.

Aber auch aus Asseln kamen Priester: Bernhard Hoischen aus Asseln nimmt am 09.10.1695 zum ersten Mal eine Taufe in Dahl vor, er starb am 20.02.1737.

1750 gab es dann den Versuch der Kirche durch Reformen sich fortzuentwickeln und zwar durch die Einrichtung sog. „Kirchenzirkel“, welche dem Austausch seelsorgerischer Ratschläge dienen sollten. Der Wittelsbacher Clemens August Bischof von Paderborn verfügte die Einrichtung dieser Zirkel am 17.02.1750, am 28.03.1750 ordnete der Generalvikar Bernhard Ignatius von Wydenbrück die Einrichtung von 16 Stationen in der Diözese Paderborn an, Asseln gehörte mit den Pfarreien Kleinenberg und Iggenhausen zur Station Lichtenau. Hier sehen wir dass die Pfarrei Asseln schon 90 Jahre nach der formellen Gründung schon gleichberechtigt mit den ungleich älteren Pfarreien war, während Nachbarorte wie z.B. Hakenberg, Herbram oder Grundsteinheim keine Erwähnung fanden da diese eben nicht selbstständige Pfarrei waren.

Die in vielen Jahren gewachsenen kirchlichen Beziehungen zu Lichtenau dauerten noch lange an. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts nahmen die Gläubigen aus Asseln und Hakenberg am Bittgang am Dienstag in der Bittwoche zum alten Friedhof Kettrup teil. Zum Annafest trafen die Gläubigen aus Asseln um 08.00 Uhr morgens in Lichtenau ein, um in einer Prozession mit den anderen Teilnehmern aus den Orten nach Amerungen zu wallfahrten. Diese Gewohnheit hat bis in das vorherige Jahrhundert bestanden, wurde jedoch zu einer Belastung für die Gläubigen und schließlich eingestellt. Die kirchlichen Beziehungen zu Lichtenau sind durch den in 1999 eingeführten Pfarrverbund auf eine neue Grundlage gestellt worden.

Das erste Gotteshaus in Asseln war dem Barockstil angepasst. Als der „nackte Bau“ bezahlt war, begann man mit der Ausschmückung und Verschönerung des Innenraumes. Pfarrer Konrad Bödeker besorgte eine Madonna aus der Zeit um 1450. Ein Ehepaar stiftete eine wertvolle geschnitzte Kanzel. 1694 trat die Gemeinde Asseln mit ihrem Pfarrer Jodokus Wienold der Bruderschaft der „Marianischen Liebesversammlung“ bei. Geschichtlicher Hintergrund dieser Vereinigung war die Belagerung der kaiserlichen Residenzstadt Wien durch die Türken 1683. Die Stadt war in höchster Gefahr und drohte zu fallen. Ein Prediger in München stellte zur Abwehr der Gefahr eine Andacht an die Muttergottes, da diese als Bild „Maria Hilf“ in jeder Pfarrei vorhanden war. Nach Abwehr des türkischen Angriffes fand die Marienverehrung von München aus rasche Verbreitung.

1756 erfolgte eine Vergrößerung des Kirchengebäudes, weil für die angewachsene Bevölkerung der Platz in der alten Kirche nicht mehr ausreichte. Der ursprüngliche Baustil wurde beibehalten und fortgeführt, leider ist über den Baufortschritt und den Pfarrer aus dieser Zeit nichts bekannt. Im Jahre 1819 erging ein solches Hagelschauer, dass die Fenster der Westfront der Kirche zerbrachen. Dies war um so bedauerlicher, als das erst 2 Jahre vorher die Fenster erneuert worden waren. Der Schaden betrug mehr als 300 Taler. Da die Bevölkerung in Asseln sehr arm und Geld überhaupt knapp war, lud der damalige Pfarrer den Generalvikar Dammers und seinen Sekretär Neukirch ein, welche sich den Schaden am 04.07.1819 ansahen. Der Besuch wurde ein Erfolg. Der Bischof von Paderborn, Franz Egon Freiherr von Fürstenberg (1789-1825) stiftete das Geld für die neuen Fenster. Im gleichen Jahr wurde der Asselner Friedhof, der wie üblich an der Kirche gelegen war, eingezäunt. 1820 sollte der Zaun mit Leinöl gestrichen werden. Allerdings standen dem Pfarrer keinerlei Mittel für den Anstrich zur Verfügung, deshalb sagt er öffentlich von der Kanzel, dass seine Pfarrkinder Leinsamen mitbringen möchten. In der Ölmühle in Atteln wurde der Samen dann gemahlen, der Zaun konnte gestrichen werden. Besonders vermerkt ist, dass sowohl Holz wie der Bau und Anstrich des Zaunes keinerlei Kosten verursacht hatten.

Die Innenausstattung der Kirche wurde sowohl vom Pfarrer als auch von der Gemeinde für gut befunden. Als Mangel wurde jedoch das Fehlen einer Orgel angeführt, obwohl bereits 1802 eine Orgelbühne eingerichtet worden war. Doch Geld war nicht vorhanden, so verlegten sich die Asselner auf das Sammeln von Spenden. In Lichtenau, Hakenberg, Neuenheerse und Dahl sammelte der Kirchenvorstand Korn. Innerhalb von 4 Wochen erhielten sie Korn für 120 Taler. Dafür konnte eine gebrauchte Orgel aus der Gaukirche in Paderborn angeschafft werden. Ende Juni wurde die neue Orgel unter Freudenschüssen nach Asseln gebracht. Der Organist Donner aus Neuenheerse baute die neue Orgel in 18 Tagen auf. Alle Bewohner warteten gespannt auf die ersten Klänge, doch wie enttäuscht waren die Asselner, als die Orgel gespielt wurde. Der Chronist beschreibt die Lage wie folgt: “...sie ging ein paar Jahre so elend hin, bis sie endlich nicht mehr gebraucht werden konnte...“. Schließlich wurde der Organist Escording aus Dringenberg gebeten, die Orgel nachzuschauen. Er nahm die Orgel mit seinem Sohn auseinander und setzte sie wieder zusammen. Er schien mehr von dem Geschäft zu verstehen, denn nun hatte die Orgel einen hervorragenden Klang. Die vielen Schwierigkeiten, die die Asselner mit ihrer Orgel hatten, waren mit Geduld und Hartnäckigkeit überwunden. Zwei Kinder aus Asseln erlernten im folgenden Jahr das Orgelspiel.
Es ist schon bemerkenswert, mit wie viel Mut solche Projekte angegangen wurden, war doch kaum Geld vorhanden, die tägliche Arbeit war schwer und mühsam. Vielleicht waren es die guten Jahre von 1806-1815, wo reichliche Ernten ohne größere Witterungseinflüsse oder Schädlingsplagen einen gewissen Vorrat schafften. Der Chronist von 1813 beschrieb die Lage mit einem Wort: „Wunderbar“!