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Asseln - Sein werden und Wandeln

 

Der Wald war in jener Zeit noch zu großen Teilen „Allgemeineigentum“. Wie kam es eigentlich zum Waldeigentum, wie wir es heute kennen?

Als die Indogermanischen Stämme sich nach der Völkerwanderung in ihren neuen Regionen hier niederließen, haben sie den ihre Siedlungen umgebenden Wald - der noch in niemanden Eigentum stand - selbstverständlich genutzt. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte und damit knapper werdenden Land bildete sich dann Waldeigentum heraus. So entstand der sog. „Markenwald“, der die Siedlungen, auch „Marken“ genannt, umgab.

Im 5.–8. Jahrhundert wurden Urkunden in lateinischer Sprache verfasst, die Einblick geben in die germanischen Gewohnheitsrechte. In späteren Fassungen wurde diese ergänzt durch königliches Recht. Dieses Recht unterscheidet schon in königlichen Wald, gemeinschaftlichen Wald und den dem Adel gehörenden Privatwald. Der gemeinschaftliche Wald ist der Kern des Gemeindewaldes.

Eine wichtige Rolle spielte auch die Ablösung von Berechtigungen. Im Hochstift Paderborn gehörte viel Wald den Klöstern bzw. der Kirche. Die umliegenden Dörfer hatten in diesen Waldungen verschiedene Rechte: Die Bewohner durften dort ihr Brennholz werben, eine bestimmte Menge Bauholz je Hofstelle einschlagen und ihr Vieh, nach Art, Anzahl und Jahreszeit geregelt, zur Mast eintreiben. Um diese Belastung abzulösen bekamen viele Dörfer im 18. u. 19. Jahrhundert eigenen Wald zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse von der Kirche übertragen. So ist für unseren Raum z.B. die Entstehung des Gemeindewaldes Scherfede, Rimbeck und Nörde mit Urkunde vom 27.01.1794 aus dem Klosterwald Hardehausen belegt. Weiterhin kauften auch vermögende Städte Wald von den Eigentümern, in der Regel den örtlich ansässigen Adelsfamilien. Wald war - neben Wasser und Wind - die einzige Rohstoffquelle für Energie, Baustoffe, und Werkstoff für Maschinen und Geräte und viele weitere Gegenstände des täglichen Lebens. Mit einem eigenen Wald sicherten sich die Städte diese Rohstoffquelle.

Die Gemarkung Asseln ist rd. 10,88 qkm groß, davon ist rd. 40% Wald, in den topographischen Karten ist noch der „Asselner Wald“ im Eggegebirge, östlich der Ortslage, eingetragen. Bis zur kommunalen Neugliederung zum 01.01.1975 gehörte dieser Wald der bis dahin selbstständigen Gemeinde Asseln und wurde dann in das Vermögen der Stadt Lichtenau überführt. Der Wald war auch für Asseln eine wichtige Rohstoff- und Erwerbsquelle. Noch bis lange nach dem 2. Weltkrieg fanden viele Männer aus dem Dorf Arbeit im Walde. Wie kam es aber zu einem abgestimmten Vorgehen in der Waldnutzung? Nun, der Zustand des Waldes war zu Beginn des 19. Jahrhundert schlecht. Der Wald war durch Übernutzung, ungeregelten Mastbetrieb und Köhlerei stark beeinträchtigt.  Bereits aus dem 14. und 15. Jahrhundert sind Forstverordnungen aus begründeter Holznot bekannt. 1669 erweiterte Fürstbischof Ferdinand der 2. die bis dahin gültige Forstordnung.

30 Jahre Krieg hatte das Land erlebt. Kaiserliche und schwedische Truppen, aber natürlich auch die überlebende Bevölkerung hatten den Wald verwüstet. Der jährliche Holzeinschlag mußte von nun an auf große Räume verteilt werden, für jede gefällte Eiche mußten 3 neue Bäume gepflanzt werden. Doch diese Regelungen konnten den Untergang des Laubwaldes in der Egge nicht aufhalten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts standen vielerorts uralte Buchen und Eichen als Solitärbäume im weiten Abstand voneinander, aber von jungen Bäumen kaum eine Spur. Versuche, eine Aufforstung mit Birkensamen durchzuführen, schlugen fehl, weil kein ausreichendes Keimbett vorhanden war.

Noch ehe aber das 18. Jahrhundert dann zu Ende ging, hatte ein umwälzende Neuerung Einzug gehalten. Im Asselner Walde war es der fürstbischöfliche Förster Ritzenhoff, der im Pflanzverfahren die Fichte auf den für Laubholz nicht mehr geeigneten Flächen einbrachte.

Wahrscheinlich geschah dies auf Anraten eines braunschweigischen Forstbeamten, der von 1789 bis 1793 im Fürstbistum Paderborn weilte. Damit begann eine neue Ära in der Forstbewirtschaftung in der Egge. Allerdings dauerte es naturgemäß noch etliche Jahre bis die neu gesetzten Bäume Ertrag abwarfen, so ist gelegentlich in den Chroniken auch der umliegenden Orte von Holzmangel zu lesen. Den Iggenhäusern wurde schon mal eine Wagenladung Braken, gewonnen im Asselner Wald, abgenommen als sie dann auf dem Heimweg durch Asseln fuhren. Dies sorgte natürlich für eine Verstimmung zwischen den Orten. Als die Asselner dann einige Jahre später für ihren Kirchenbau in den umliegenden Ortschaften sammelten sparten sie aus gutem Grunde Iggenhausen aus. Auch die Gemeindechronik Herbram berichtet im Jahr 1841 von einem fühlbaren Holzmangel da im königlichen Forst zu Asseln nur wenig eingeschlagen wurde. Dem königlichen Förster zu Asseln oblag auch bis 1900 die Aufsicht über den Gemeindewald Herbram.

Napoleon schuf dann im Königreich Westfalen eine straffe Einheitsverwaltung nach französischem Vorbild, auch für den Forstbereich. Als Westfalen dann an Preußen fiel, erging am 24.12.1816 eine Verordnung zur Bewirtschaftung der Forsten. Es wurde den Gemeinden vorgegeben, sich einer königlichen Oberförsterei anzuschließen oder eine eigene „Communale Försterei“ zu bilden. Im Hochstift Paderborn schlossen sich die Städte und Gemeinden zu einer eigenen Oberförsterei zusammen, dass genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, der erste Sitz wird zwischen 1830 und 1850 in Büren gewesen sein. Nach dem 1. Weltkrieg wechselte der Sitz in die Burg Dringenberg, 1928 erfolgte dann der Wechsel nach Willebadessen in das neu errichtete Gebäude, in der das Gemeindeforstamt Willebadessen auch heute noch den Kommunalwald betreut, und zwar für 28 Mitglieder (13 Städte, 13 Pfarren, 1 Kreis und eine Stadtwerke-GmbH) mit insges. 7.725 ha Wald.

Standen in den vergangenen Jahrzehnten die fiskalischen Überlegungen im Vordergrund, so ist seit den 70-er Jahren ein Wertewandel festzustellen. Biotop- und Artenschutz sowie Vorsorge für die Erholung erfahren zunehmend größere Bedeutung. Wenn heute auch immer noch die Fichte mit rd. 66% Anteil am Wald die stärkste Baumart im Stadtgebiet ausmacht, so ist doch im Zuge der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Stadtwald Lichtenau geplant, zum einen den Laubholzanteil langfristig zu erhöhen und zum anderen durch Naturverjüngung auch in Fichtenbeständen untergeordnet Laubgehölze zuzulassen um so der Monokultur entgegenzuwirken. Der vom Forst- und Umweltausschuss der Stadt Lichtenau im April 2002 beschlossene Forstwirtschaftsplan sieht dieses für die städtischen Flächen jedenfalls so vor.

Naturgemäß war es zu damaligen Zeiten kaum möglich, eine genaue Grenzziehung zwischen den einzelnen Gemeinden im Walde dauerhaft zu kennzeichnen. Die Grenzen wurden anlässlich der sog. „Schnadegänge“ bei Bedarf angezeigt oder neu festgelegt. Am 14. Mai 1697 fand ein Schnadgang zwischen den fürstbischöflichen Wäldern und den Besitzungen des adeligen Damenstiftes Neuenheerse statt. Von seiten des Fürstbischofes waren erschienen: Der Rentmeister zu Lichtenau Anton Schneidewindt, der Richter zu Asseln Heinrich Heuschen, die Förster Breckers und Krull sowie weitere Bürger aus Lichtenau und Asseln. Der Schnadezug begann an den Eichen bei dem Schwaneyer Walde in dem blinden Graben und an dem ausgeworfenen Walle. Als man bei den heersischen Steinkuhlen über einen blinden Grenzweg ging, gerieten die Parteien in Streit. Man fand in der nahen Dickung einen alten Eichenstamm und Caspar Müggen, ein Neuenheerser Bürger, erklärte, dass sein Großvater, der über 100 Jahre alt geworden sei, ihm erzählt habe, dass dieser dicke Eichenstamm das richtige Schnadezeichen sei. Der Zug nahm nun diese Richtung an und versah die Eichen und Buchen an beiden Seiten mit Kreuzen als Schnadezeichen. Von da aus ging man den geraden Weg, der zur gepflügten Heide führt und alles, was zur linken lag, gehörte zum Stift Heerse und alles zur rechten Seite zum fürstlichen Gehölz Asseln.

Nach den Vorbemerkungen zur Asselner Chronik aus dem Jahre 1800 hatte die obere Forstinspektion vertreten durch den Oberforstmeister befunden, dass der hiesige Wald durch die fleißige Wartung des Revierförsters in bester Ordnung sei. Der Pastor von Asseln erhielt aus dem Wald seinen freien Brand angewiesen, auch dem Schullehrer standen einige Stämme zu.

Die Namen der seit 1800 bekannten Asselner Förster (nach Willi Vogt):

foerster

1970 wurde das Revier Asseln geschlossen und wird seitdem von Hakenberg (Revierförsterei Torfbruch) betreut, dass Forstgebäude (Försterei) wurde an Privat verkauft (Heute: Fornefeld, Alte Forststraße).

Soweit der kleine Exkurs zum Wald, wieder zurück zu unserem Ort Asseln: