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Eggetunnel

Die Nachfolgenden Informationen und Bilder wurden freundlicher Weise vom Verein Altenbekener Eisenbahnfreunde 95 e.V. zur Verfügung gestellt.
Weitere, ausführliche Informationen zum Eggetunnel unter www.altenbekener-eisenbahnfreunde.de.

Der Eggetunnel ist ein 2880 m langer Eisenbahntunnel der Bahnstrecke Hamm–Warburg, der zwischen den ostwestfälischen Städten Willebadessen und Lichtenau das Eggegebirge durchquert. Er wurde von 1996 bis 2003 gebaut und ersetzte damit eine weiter östlich verlaufende oberirdische Trassierung.

Vorgeschichte

Bereits im Jahre 1848 hatte man versucht, mit einem Tunnel durch die Egge zu kommen. Dieses Projekt ist jedoch an dem stark auftretenden Grundwasser und den Hangrutschen an den tiefen Einschnitten gescheitert. Die Einschnitte waren nötig, um zu den tiefliegenen Tunnelportalen zu gelangen. Man mußte das Projekt abbrechen. Die Anfänge sind heute bei Willebadessen im Wald noch zu sehen und sind unter dem Namen “Alte Eisenbahn” bekannt. Heute ist am Anfang des Einschnittes ein kleiner Waldsee.

Im Juli 1849 begann man bereits mit den Vermessungsarbeiten für die Strecke Paderborn - Altenbeken - Warburg. Diese Strecke führte über Warburg - Bonenburg - Borlinghausen - Willebadessen - Herbram-Wald - Buke - Altenbeken.

Diese Strecke hat aber zwei Problemstellen: Einmal gibt es bei Herbram-Wald eine unterirdische Auswaschung, so dass die Gleise verrutschen, und bei Willebadessen am Paderborner Berg gibt es einen großen Hangrutsch.

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Das Problem bei Herbram-Wald sollte behoben sein (wenigstens auf der einen Seite), nachdem man ein langes Stück Gleis zusammen mit dem kompletten Untergrund erneuerte.

Der Hangrutsch bei Willebadessen konnte jedoch mit vertretbaren Mitteln nicht aufgehalten werden. Man hat zwar versucht mit Ankern und Folien den Berg abzufangen aber der Hang ist zu steil und das Gestein kommt schräg aus der Erde, wodurch der Abbruch noch unterstützt wird.

Um Bahnunfälle zu verhindern wurde die Stelle nachts mit Scheinwerfern beleuchtet und mit Kameras überwacht. Außerdem befand sich dort eine Langsamfahrstelle.

Man mußte also eine neue Strecke suchen, da die Sanierung der alten Strecke und eine Befestigung des betreffenden Berges ca. 500 Millionen Euro gekostet hätte. Da war die Lösung mit einem Tunnel billiger. Dies stieß bei den Bewohnern von Herbram-Wald und Umgebung auf starken Widerstand. Die ersten Pläne für die Strecke mußten verworfen werden.

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Auszüge aus EI - Eisenbahningenieur 8/97

Bei der Planung des Eggetunnels waren folgende Dinge zu berücksichtigen:

  • Das Eggegebirge gehört zu einem landesweiten Biotop-Verbundsystem.
  • Das Durchtrennen des zusammenhängenden Waldgebietes ist auf das unbedingt erforderliche Maß zu beschränken.
  • Die landesplanerischen Festlegungen zu Gewässerschutzmaßnahmen sollen berücksichtigt werden.
  • Der Planungsraum ist gleichzeitig als landschaftsorientiertes Erholungsgebiet definiert und ist ebenfalls gekennzeichnet als Bereich zum Schutz der Landschaft und Natur.
  • Das lokal bedeutsame, sich nordwestlich von Neuenheerse erstreckende Einzugsgebiet des dortigen Wasserwerkes und das wertvolle Biotop "Glasewasser" sind zu schützen.
  • Das Vorhandensein von den Boden und das Wasser kontaminierenden Stoffen in der Ortslage von Herbram-Wald, die aus einem im Krieg bombardierten Tanklager stammen.
  • Der hangrutschgefährdete Bereich des Eggekammes.

Trassenfindung / Trassenvarianten

Die ursprüngliche Planung sah für den Abschnitt zwischen Neuenheerse und Willebadessen im Rahmen einer Neutrassierung eine Linienverbesserung auf einer Länge von 3,5 km mit einem rund 550 m langen Tunnel vor, die im latent rutschgefährdeten Bereich des Eggeübergangs verläuft. Diese Variante war bereits im damals geltenden Gebietsentwicklungsplan enthalten.

Eine vertiefende geologische und hydrologische Untersuchung und Bewertung durch das Geologische Landesamt - in Vorbereitung auf den Entwurf zur Planfeststellung der Trasse - führte zu der eindeutigen Empfehlung, diese Variante aufzugeben, weil unter anderem eine notwendige Hangstabilisierung durch eine Entwässerung und mit einem Bodenaustausch bis auf den tragfähigen Untergrund zu große ökologische Folgen und finanzielle Aufwendungen bedeutet und keine dauerhafte Lösung dargestellt hätte und eine alternativ angedachte aufgeständerte Fahrbahn selbst mit bis zu 50 m langen Großbohrpfählen sich nicht standsicher bemessen lassen, um dem erwarteten Gebirgsdruck standhalten zu können.

Daten-Zahlen-Fakten

EGGEQUERUNG
Länge des Neubauabschnitts 12.850 m
Neue Eisenbahnbrücken 11
Neue Straßen-/Fußgängerbrücken 2
Bodenbewegung 1,5 Mio. Kubikmeter
Gleisoberbau 26,4 km
Baukosten ca. 269 Mio. Euro
Ausgleich und Ersatzmaßnahmen 1.200.000 Quadratmeter
Baustahl 20.000 Tonnen
Beton 230.000 Kubikmeter
Max. Gebirgshöhe über Tunneloberkante
58 m

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EGGETUNNEL
Länge 2.880 m
Querschnitt 12,2 m
Anzahl der Röhren 1 (zweigleisig)
Nordportal Lichtenau-Asseln
Südportal Willebadessen
Vortriebsbeginn Nord 13.02.1998
Vortriebsbeginn Süd 28.04.1998
Durchstich 13.03.2000
Freigabe 12.12.2003
Ausbruchfläche 126-144 Quadratmeter
Ausbruchmenge ca. 400.000 Kubikmeter
Baukosten ca. 7 Mio. Euro

Das Gestein

Der Kamm der Egge besteht hauptsächlich aus Osning-Sandstein und Gault-Sandstein.

Vor dem Bau des Tunnels wurden 42 Kernbohrungen mit insgesamt 1650 Bohrmetern sowie 15 Grundwassermessstellen angelegt. Außerdem wurden Pumpversuche und Durchlässigkeitstests durchgeführt.

Im Bereich der großräumig durchklüfteten Osning-Sandsteine und der z.T. verkarsteten Muschelkalkstrecke, wo der Grundwasserüberstau bis zu ca. 30 m über Tunneloberkante beträg, muß örtlich mit kurzfristigen Grundwasserzutritten bis zu ca. 30 - 40 l/s gerechnet werden.

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Entwurfsplanung Tunnel und Voreinschnitte

Die Streckengeschwindigkeit wurde auf 200 km/h festgelegt.

Der S-förmig geschwungene Trassenverlauf beschreibt im nordwestlichen Voreinschnitt und im anschließenden Tunnelabschnitt zunächst eine Linkskurve mit einem Radius von 3002 m, es folgt eine rund 768 m lange Gerade, die in eine Rechtskurve mit einem Radius von 1752 m übergeht. Zwischen diesen Elementen sind jeweils Übergangsbögen angeordnet.

Die Höhe des Tunnels fällt vom Nord zum Südportal hin zunächst mit 5,35 Promille und im überwiegenden Teil mit 12,5 Promille.

Die maximale Überhöhung der Aussenschiene liegt bei 140 mm. Der Gleisabstand beträgt 4 m von Gleismitte zu Gleismitte.

Die Tunnelröhre hat eine Breite von 12,73 m. Die seitlichen Kanten, auf denen man durch den Tunnel gehen kann, sind 2,17 m breit. Der Abstand von Gleismitte bis zum Anfang der Seitenkanten beträgt jeweils 2,20 m. Die Höhe der Röhre beträgt 7,81 m. Der Innenradius der Röhre beträgt 6,10 m.

Es ist überlegt worden, zwei einzelne Tunnelröhren zu bauen. Diese haben den Vorteil, dass man sie maschinell bauen kann. Auch für das Rettungskonzept wäre es besser gewesen. Leider war es jedoch nicht möglich, weil eine unterirdische Zusammenführung der Röhren, wegen des lockeren Gesteins, nicht in Frage kam. Eine Zusammenführung der Gleise außerhalb des Tunnels hätte einen größeren Einschnitt nötig gemacht. Dies sollte aus Landschaftsschutz Gründen jedoch vermieden werden.

Der Tunnel wurde als wasserundurchlässiges, undrainiertes Bauwerk erstellt, eine dauernde Abführung von Bergwasser erfolgt nicht.

Der Tunnel wurde aber dann doch nach einigen Verhandlungen und Veränderungen genehmigt. Am 28. Januar 1998 wurde dann der Tunnelanschlag in einer Feierstunde durchgeführt. Das gesamte Projekt Eggequerung ist ca. 13 km lang. Insgesamt wurden 13 Brücken gebaut.

Im Frühjahr 2000 kam es zum Durchstich. Der Tunnel wurde von Willebadessen und von Asseln aus gleichzeitig aufeinander zu gebaut. Am 21. Februar 2002, nachdem der Tunnel in 4 Jahren, rund um die Uhr gebaut wurde, feierten die Tunnelbauer das “Betonabschlussfest”. Die gesamte Ausbetonierung des Tunnels war fertig gestellt.

Der Tunnel besitzt 2 Notausgänge. Ein Notausgang ist als 44 m tiefer senkrechter Schacht ausgeführt, in dem eine Wendeltreppe und ein Fahrstuhl in die Tiefe führen und der zweite Notausgang ist ein 300 m langer fast waagerechter Stollen.

Der Bau des Tunnels war jedoch auf Grund der geologischen Bedingungen in der Egge schwieriger, als man das angenommen hat und verursachte deshalb auch wesentlich mehr Kosten als angenommen. Das größte Ereignis war dabei der Ausbruch einer Seitenwand auf einer Länge von 40m, bei dem ein unterirdischer See in den Tunnel lief. Die Wassermassen waren so gewaltig, dass selbst die großen Bagger im Tunnel weggeschwemmt wurden. Dabei rutschte auch der Waldboden oben nach und man mußte die Stelle oben im Wald ausbaggern und zu betonieren.

Leider gab es bei den Bauarbeiten auch ein Todesopfer.

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Status Projektabwicklung

Am 12.12.2003 wurde der Eggetunnel und der Haltepunkt Willebadessen offiziell eröffnet. Seit Montag 17.11.2003 wird der Tunnel auf der ersten Seite befahren (Richtung Altenbeken -> Willebadessen) und am Montag, 08.12.2003 wurde auch die andere Seite in Betrieb genommen. Der Bahnhof in Herbram-Wald befindet sich seit dem nicht mehr am Schienennetz und wurde abgebaut.