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Internetseiten der Ortschaft Asseln in Ostwestfalen

Wind aus Asseln - günstiger Strom für die Bürger

Der Windpark Asseln ist mit seinen 380 Hektar einer der größten Binnenwindparks in Europa. Er liegt auf der Paderborner Hochfläche in der Nähe der Ortschaft Asseln (Stadt Lichtenau) im Kreis Paderborn. 62 Windräder, mit einer installierten Leistung von insgesamt 36.000 Kilowatt, ragen dort mit ihren 60 bis 75 Metern in die Höhe. Zusammen produzieren sie 65 Millionen Kilowattstunden Strom – genug, um damit jährlich 16.250 Haushalte zu versorgen.

Das Besondere an dem Windpark ist, dass sich 18 Anlagen, mit Leistungen zwischen 200 und 1500 Kilowatt, in Bürgerhand befinden. Genauer gesagt: Die Asselner Windkraft GmbH & Co. KG ist der Eigentümer, dessen Kommanditisten 53 Bürger aus Lichtenau und Umgebung sind. Diese erzeugen mehr als die Hälfte des gesamten Stroms. Der restliche Teil wird von Privatanlagen und der Winkra Lichtenau im Windpark produziert.

„Als wir über die örtliche Presse bekannt gaben, in der Region einen Windpark zu bauen und dafür Bürger als Eigentümer gewinnen wollten, dauerte es keine zwei Wochen, bis sich 53 gemeldet hatten und willens waren, rund 2,79 Millionen Euro einzubringen“, berichtet Geschäftsführer Johannes Lackmann. Seiner Einschätzung nach würde es heute nicht viel anders laufen. Im Gegenteil: „Uns fehlen vor allem die Flächen, die Standorte für neue Windparks. Das Interesse von Bürgern, sich als Investoren und Eigentümer zu beteiligen, ist gegenüber früher noch gestiegen.“

1997 ging der Windpark in Betrieb. Die Stadt Lichtenau profitierte von Beginn an davon, da die Windpark-Gesellschaft (AWK) für Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze in einer Region sorgt, die weder über fruchtbare Böden noch über nennenswerte Betriebe oder industrielle Fertigungen verfügt.

Die ersten 14 Jahre war die AWK ein reiner Stromerzeuger, die ihr Produkt an RWE verkaufte; später direkt in das Netz nach EEG einspeiste und seit Juni 2011 in der Clean Energy Sourcing GmbH (CLENS), Leipzig, einen Partner gefunden hat, der 5 Cent pro Kilowattstunde mehr als nach EEG-Vergütung zahlt.

Anfang 2011 startete die AWK eine Erprobungsphase, um zum ersten Mal als Stromversorger praktische Erfahrungen zu sammeln. „Wir wollten klein anfangen, bevor wir in die Vollen gehen“, so Johannes Lackmann. „Wir beschränkten unser Angebot auf die 500 Haushalte in Asseln. Aber der Betrieb verlief ohne Schwierigkeiten und so konnten wir unseren Radius auf die angekündigten 4,5 Kilometer ausdehnen.“ – Ab Mai 2011 können nun Haushalte auch aus den Ortschaften Hakenberg, Iggenhausen, Grunsteinheim, Herbram und der Kernstadt Lichtenau den Ökostrom direkt aus Asseln beziehen.

Es ist die Region, die der Bürgerwindpark im Blick hat, und eine dezentrale Energieversorgung, die auf heimischen regenerativen Energiequellen basiert. Derzeit sind es 112 Kunden, die das schätzen. Doch monatlich kommen 12 bis 15 Ummeldungen hinzu. Kleine und mittelständische Unternehmen sind allerdings noch nicht dabei. Das brauche Zeit, so Lackmann, denn beim Strom sei der Preisdruck noch nicht so groß. Das ökologische Motiv, Gutes für die Umwelt zu tun, ist hier eher ausschlaggebend – „und da sind Betriebe immer noch zögerlich“.

Das kann sich bald ändern, wenn sich herumgesprochen hat, dass die AWK einen Preis pro Kilowattstunde von 19,5 Cent plus einen monatlichen Grundpreis von 6,50 Euro plus Mehrwertsteuer garantiert – für mindestens zehn Jahre. Damit liegt sie um fünf Prozent unter dem derzeitigen Standardtarif des Regionalversorgers.

Wer den günstigen Ökostrom beziehen möchte, schließt mit der Firma CLENS einen Tarifvertrag, die auch den alten Vertrag kündigt. Die Umstellung dauert etwa sechs Wochen und beginnt zu Anfang des Folgemonats. Die Firma stellt außerdem sicher, dass auch in Wind schwachen Zeiten, wenn Asseln kein Windstrom liefern kann, die Kunden mit Strom versorgt werden. Möglich ist das, weil CLENS dann Strom aus Wasserkraft und Biomasse zur Verfügung stellt.

Das Lob für die AWK mit ihrer Direktvermarktung des Stroms ließ nicht lange auf sich warten: Schon ein halbes Jahr nach dem Start, am 5. November, erhielt der Bürgerwindpark den Deutschen Solarpreis 2011 in der Kategorie „Lokale oder regionale Vereine / Gemeinschaften“, überreicht von der Umweltministerin des Saarlandes, Dr. Simone Peter, und dem Vorsitzenden von EUROSOLAR, Dr. Axel Berg. Der Windpark in Bürgerhand zeige, dass die Energieversorgung von der Erzeugung bis zum Vertrieb zu den Endkunden in einem regionalen Kreislauf organisiert werden könne. „Der Windpark Asseln ist ein vorbildliches Beispiel für die praktischen Möglichkeiten der Energieautonomie und macht Mut für andere kommunale Betreibergemeinschaften“, so die Begründung für die Auszeichnung.

 

Stand vom 15.02.2012

Quelle: EnergieAgentur.NRW